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Der Fleischwolf oder Drehwolf ist trotz seiner urtümlichen Gestalt ein Produkt der Industralisierung.
Seine heutige Form entstand wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Brockhaus Lexikon von 1898 findet der "Fleischwolf"
noch keine Erwähnung. Hier wird das einfache Wiegemesser als Ausgang für modernere, mechanische
Verfahren angeführt:

"Zur Zerkleinerung von Fleisch für den Küchenbedarf dient die in Fig. 3 geöffnet und in Fig. 3a geschlossen
dargestellte Fleischhackmaschine. Das Fleisch wird hier von Stiften, die auf einer Walze schraubenförmig
eingesetzt sind, erfaßt und zwischen den Messerreihen hindurchgezogen, wodurch es nach wenigen Umdrehungen der Kurbel klar
zerschnitten wird. Beim Gebrauch werden die Fleischstücken in den Trichter a (Fig. 3 a) eingebracht; das fertig
zerkleinerte Fleisch quillt selbstthätig aus dem Auslauf b hervor." (Brockhaus, 1898)

Einer der ersten handlichen Küchenhilfen ist wohl der UNIVERSAL No.1:
Entworfen in den U.S.A. trägt dieser Fleischwolf die angemeldeten Patente verschiedener
Länder als Prägung: Great Britain 2432637, Brevete SG 1887-1901, D.R.P. No 101162, Belgium 189148,
Pat. May 15.1900, Canada Pat. Oct. 12.1897, Pat. Oct. 12 1897, Apr. 18. 1880, Re.EPS.S 1899. Erkennbar ist, dass die
erste Anmeldung schon 1880 stattfand, das deutsche Patent (D.R.P.) wohl aber erst um 1900 vergeben wurde.
Der Fleischwolf wird mithilfe der Zwinge an einer Tischkante festgeschraubt.

Das schon grob vorzerkleinerte Fleisch wird in Brocken in den Einfülltrichter gegeben und durch Kurbeln auf
einer Förderschnecke zum vorderen "Zahnring" transportiert. Durch den Druck des nachrückenden
Mahlgutes wird das Fleisch durch die scharfkantigen Zähne herausgedrückt. Der UNIVERSAL Fleischwolf
wird nicht an der Kurbel, sondern vorne am "Zahnring" mittels einer Flügelmutter zerlegt zum Reinigen.

Das heute gängige Fleischwolf-Prinzip wurde erstmals von ALEXANDERWERK als "Gemüse- und
Fleischhackmaschine" hergestellt: Auf einer Amerikareise wohl Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Alexander
von der Nahmer, der Gründer des Alexanderwerks, den Fleischwolf.

1 Kurbel mit Befestigungsschraube, 2 Zwinge, 3 Einfülltrichter mit Holzstopfen,
4 Förderschnecke, 5 Messerpropeller mit 4 Klingen, 6 Lochscheibe mit
Befestigungsring, 7 Spritzgebäckvorsatz
Im Gegensatz zu dem einfachen UNIVERSAL No.1
fördert die Schnecke das Fleisch erst einem mitrotierenden Messer zu. Dieses Flügelmesser mit vier Klingen
sorgt für eine gute Zerkleinerung auch von faserigem, zedrigem Fleisch. Das zerkleinerte Fleisch wird dann durch
eine Lochscheibe gedrückt, um eine gleichmäßiges Ergebnis zu erhalten. Um den Wolf zu reinigen, wird
der vordere Befestigungsring mit der eingelegten Lochscheibe gelöst, das Messer in Propellerform und die Förderschnecke
von der Kurbel abgezogen. Durch dieses einfache Prinzip können verschiedene Lochscheiben, aber auch andere Vorsätze wie Wurstfüller oder
Spritzgebäckpresse aufgesetzt werden. Dieses Kurbelmaschinchen erfreute sich - hergestellt lokal
von dutzend kleinerer Hersteller - größter Beliebtheit und fehlte in keinem Haushalt ab den 30er Jahren.

Aus dem Katalog "August Stukenbrok, Einbeck" von 1926, inklusive des Zubehörs:


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